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Applied Recovery
Das Applied Recovery Modell ist die Grundlage für das Applied Recovery Narrativ und das Unplugged Me Schreibtool.
Ein Modell ist eine strukturierte Herangehensweise, die dir Werkzeuge an die Hand gibt, um komplexe Prozesse besser zu verstehen und aktiv zu gestalten.
Das Applied Recovery Modell ist ein solches Framework – es bietet dir Orientierung, Flexibilität und die Möglichkeit, deinen persönlichen Weg im Recovery-Prozess individuell zu gestalten.
Dieses Modell wurde auf der Grundlage von über 15 Jahren Erfahrung und Forschung am holistischen Gesundheitsmodell von Victor Nivis entwickelt und erweitert.
Es wird kontinuierlich weiterentwickelt, um immer besser auf die Bedürfnisse der Anwender einzugehen.
Warum du dieses Modell brauchst:
Ein Modell wie das Applied Recovery Modell schafft Struktur in einem oft chaotischen und herausfordernden Recovery-Prozess.
Es dient als Leitfaden, der dir hilft, die verschiedenen Aspekte deines Lebens – von emotionalen Herausforderungen bis hin zu alltäglichen Routinen – besser zu verstehen und gezielt anzugehen.
Orientierung finden: Es hilft dir, dich in schwierigen Momenten zurechtzufinden und zu entscheiden, welche Schritte du als nächstes gehen möchtest.
Routinen etablieren: Durch die Zyklen und Phasen kannst du kleine, aber effektive Rituale in deinen Alltag einbauen.
Erkenntnisse gewinnen: Das Modell ermutigt dich, tiefere Reflexionen über deine Gefühle, Gedanken und Handlungen anzustellen.
Nachhaltige Veränderungen umsetzen: Es hilft dir, alte Muster zu durchbrechen und neue, positive Gewohnheiten aufzubauen.
Applied Recovery basiert auf den fünf Phasen des Recovery-Prozesses – nicht auf bestehenden Modellen, die oft zu stark von Fachkräften gesteuert werden. Ich habe bewusst darauf verzichtet, klassische Recovery-Konzepte im Detail zu studieren, um meine eigene Entwicklung nicht zu verfälschen. Nur so kann etwas wirklich Neues entstehen.
Dass ein unabhängiger Ansatz notwendig ist, zeigt die Psychologie: Carl Rogers, Begründer der personenzentrierten Therapie, löste sich bewusst von der klassischen Psychoanalyse. Er erkannte, dass Menschen keine starren Diagnosen, sondern einen individuellen Entwicklungsraum brauchen. Sein Modell konnte sich nur deshalb radikal neu entfalten.
Genau das ist mein Ansatz mit Applied Recovery. Das Modell ist nicht aus dem Nichts entstanden – es hat sich über 20 Jahre in der Therapie und Bewegung bewährt, allerdings unter einem anderen Fokus. Jetzt wird es neu ausgerichtet, um Recovery praxisnah, unabhängig und alltagstauglich zu machen.
Was Applied Recovery von anderen Methoden unterscheidet: Es ist frei von Fremdeinflüssen und orientiert sich ausschließlich an dem, was in der Praxis funktioniert – nicht an akademischen Vorgaben oder therapeutischen Dogmen. Es ist das, was Recovery heute wirklich braucht.
Das Modell besteht aus fünf klar strukturierten Phasen, die sich kontinuierlich wiederholen und aufeinander aufbauen:
Kraftmoment & Orientierung
Diese Phase konzentriert sich auf Kraftmomente – Erlebnisse, die eine tiefgreifende Wirkung auf dich haben können.
Kraftmomente sind unabhängig von einer emotionalen Bewertung: Sie können als positiv, negativ oder neutral wahrgenommen werden, abhängig von der individuellen Perspektive.
Doch sie haben eines gemeinsam: Diese Momente setzen Kraft frei.
Entscheidend ist, wie du diese freigesetzte Kraft nutzt, denn auch scheinbar positive Erlebnisse können unbewusst Erinnerungen wecken und zum Konsum verleiten.
Das können alltägliche Situationen wie ein schönes Gespräch, ein Craving, ein aktuelles Tief, der Austausch mit Freunden oder ein Aufenthalt in der Klinik sein.
Diese Momente fordern dich dazu auf, innezuhalten und Orientierung zu suchen: Welche Schritte möchtest du gehen, um diese Energie oder Herausforderung in positive Veränderung umzuwandeln?
Orientierung hilft dir dabei, erste Handlungsschritte zu definieren und Klarheit über deine Ziele und Bedürfnisse zu gewinnen.
Wachstum & Möglichkeiten
In dieser Phase entdeckst du die Ressourcen, die dich in deinem Alltag voranbringen.
Das können kleine, aber bedeutsame Dinge sein: Die Unterstützung von Freunden, neue Interessen oder Strategien, die dir helfen, Kraftmomente zu meistern.
Wachstum entsteht durch das bewusste Erkennen deines Potenzials und das gezielte Ausschöpfen von Möglichkeiten, die dir der Alltag bietet.
Es geht darum, neue Wege zu wagen und dich dabei stetig weiterzuentwickeln.
Transformation & Erneuerung
Diese Phase ist der Kern aktiver Veränderung.
Transformation bedeutet, alte Gewohnheiten und Denkmuster bewusst zu hinterfragen und durch konstruktive Alternativen zu ersetzen.
Erneuerung zeigt sich in den kleinen, aber bedeutenden Handlungen, wie das Etablieren einer neuen Morgenroutine oder das bewusste Verfolgen eines positiven Gedankenmusters.
Der Alltag wird zur Übungsfläche für die neuen Muster, die nachhaltig verankert werden sollen.
Stabilität & Sicherheit
In dieser Phase verankerst du die neuen Gewohnheiten, die du in deinem Alltag etabliert hast.
Stabilität bedeutet, dass diese Routinen zu einem festen Bestandteil deines Lebens werden.
Sicherheit entsteht, wenn du erkennst, dass du kontinuierlich Fortschritte machst – sei es durch kleine Erfolge oder das Wiederaufgreifen bewährter Strategien in Kraftmomenten.
Es geht darum, ein Fundament zu schaffen, auf dem du sicher weiter aufbauen kannst.
Klarheit & Ausrichtung
In dieser Phase reflektierst du deine Reise und ziehst wertvolle Lehren aus den Erfahrungen, die du gemacht hast.
Klarheit hilft dir zu erkennen, welche Strategien effektiv waren und wo noch Potenzial für Verbesserung besteht.
Ausrichtung bedeutet, deine Ziele zu schärfen und klare Pläne für die nächsten Schritte zu setzen, um den nächsten Zyklus mit Fokus und Motivation zu beginnen.
Das Zyklische Lifecycle-Modell ist ein zentraler Bestandteil des Applied Recovery Frameworks und bietet eine holistische Struktur, um Wachstum, Reflexion und nachhaltige Transformation in verschiedenen Zeitebenen zu fördern.
Es verbindet kurze, bewusste Momente mit langfristigen Lebenszielen und integriert westliche Wissenschaft, Psychologie und Zeitmanagement-Ansätze in eine klare und anwendbare Struktur.
Kraftmomente-Zyklus
Definition: Kraftmomente sind alltägliche Erlebnisse und Situationen, egal ob positiv, negativ oder neutral.
Sie umfassen schöne Erfahrungen wie das Spazierengehen mit dem Hund, das Spüren des eigenen Körpers oder das Genießen eines guten Essens.
Ebenso können sie Herausforderungen oder Rückschläge beinhalten, wie das Erleben eines Cravings oder eines Rückfalls. Entscheidend ist, diese Momente bewusst wahrzunehmen und daraus zu lernen.
Ein integrativer Ansatz: Im Applied Recovery Modell sprechen wir bewusst nicht von Rückschlägen, da dieser Begriff negativ klingt.
Stattdessen nutzen wir „Kraftmomente“ für alle intensiven Erfahrungen – sowohl positive als auch herausfordernde.
Ein Kraftmoment ist ein zirkulärer Prozess, der in fünf Phasen unterteilt ist: Momentum, Wachstumskraft, Entscheidungskraft, Umsetzungskraft und Klarheitsmoment.
Jede Phase beschreibt, wie Reize wahrgenommen, verarbeitet und in bewusste Handlungen umgesetzt werden.
Dieser Prozess endet mit einer Reflexion, die Erkenntnisse liefert und als Ausgangspunkt für den nächsten Zyklus dient.
Tageszyklen
Definition: Jeder Tag ist geprägt von natürlichen Rhythmen wie Morgen, Mittag und Abend.
Diese Phasen spiegeln den zirkadianen Rhythmus wider, der unsere biologischen Prozesse und mentale Leistungsfähigkeit beeinflusst.
Sie bieten Gelegenheiten, die eigene Energie gezielt zu nutzen, Herausforderungen anzugehen und Reflexionszeiten bewusst zu gestalten.
Der Tageszyklus wird so zu einem zentralen Element, um Balance, Fokus und Produktivität zu fördern.
Der Wochenzyklus
Definition: Jede Woche kann als Mikrozyklus betrachtet werden, in dem Raum für Fortschritt, Reflexion und Regeneration entsteht.
Der Wochenzyklus erlaubt es, wiederkehrende Routinen zu etablieren und gleichzeitig flexibel auf Herausforderungen und Erfolge zu reagieren.
Psychologisch betrachtet, gibt der Wochenbeginn oft den Ton an, während das Wochenende eine Gelegenheit für Regeneration und tiefere Reflexion bietet.
Diese Rhythmen können gezielt genutzt werden, um Fortschritte zu sichern und neue Energie für die nächste Woche zu sammeln.
Jahreszyklen
Definition: Jede Jahreszeit bringt spezifische Energien mit sich, die auf die Phasen abgestimmt werden können.
Jede Jahreszeit reflektiert dabei universelle Zyklen von Wachstum, Transformation und Regeneration, die sowohl auf emotionaler als auch auf physischer Ebene wirken.
Der Winter lädt zum Innehalten und zur Planung ein, während der Frühling Aufbruch und Aktivierung begünstigt.
Der Sommer steht für Stabilität und Konsolidierung, während der Herbst die Phase des Loslassens und der Reflexion repräsentiert.
Dieser Ansatz ermöglicht eine tiefere Verbindung zwischen den eigenen Zielen und den natürlichen Rhythmen der Umwelt.
Lebenszyklen
Definition: Diese Zyklen umfassen größere Lebensübergänge wie grosse Kraftmomente (Krisen/Erfolge), Wendepunkte oder Neubeginne.
Sie spiegeln die universellen Phasen von Wachstum, Verlust und Neugestaltung wider, die alle Menschen im Laufe ihres Lebens durchlaufen.
Lebenszyklen bieten die Möglichkeit, tiefgreifende Reflexionen anzustellen und eine langfristige Perspektive zu entwickeln, die über den Alltag hinausgeht.
Dabei können sie sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene wirken, indem sie persönliche Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen gleichermaßen berücksichtigen.
Lebenszyklen sind besonders bedeutsam, um Übergangsphasen wie den Eintritt in neue Lebensabschnitte oder den Umgang mit einschneidenden Erlebnissen wie Trauer, Krankheit, erneute und andauernde Konsumereignisse oder Neubeginn bewusst zu gestalten.
GO SMART ME ist eine Weiterentwicklung des klassischen SMART-Modells, das speziell dafür entwickelt wurde, Ziele greifbarer, nachhaltiger und alltagstauglicher zu gestalten.
Es kombiniert praktische Umsetzung, emotionale Verankerung und klare Struktur, um sowohl private als auch berufliche Ziele effektiv zu erreichen.
Hier ist eine detaillierte Übersicht der einzelnen Schritte:
G=Gong
Der Gong steht symbolisch für den Auslöser, der dich daran erinnert, dein Ziel zu verfolgen.
Statt einer digitalen Erinnerung wird ein automatisierter Bestandteil deines Alltags genutzt, um dein Ziel präsent zu halten.
Frage: Was wird dich regelmäßig daran erinnern, dein Ziel aktiv anzugehen?
Beispiele:
Ein Zettel an der Kaffeemaschine erinnert dich, nach deinem Kaffee mit deinem Ziel zu starten.
Eine Verknüpfung mit deiner Abendroutine: Dein Schreibmaterial liegt auf deinem Kopfkissen, sodass du es automatisch vor dem Schlafengehen siehst.
Ein Symbol (z. B. ein Post-it) an einem zentralen Ort wie deinem Badezimmerspiegel oder deinem Schreibtisch.
O=Organisieren
Organisation ist der Schritt, der sicherstellt, dass alle Voraussetzungen für die Zielerreichung gegeben sind. Es geht darum, Hindernisse zu beseitigen und die benötigten Ressourcen bereitzustellen.
Frage: Was musst du vorbereiten, um dein Ziel erfolgreich umzusetzen?
Beispiele:
Plane feste Zeitfenster für dein Ziel, z. B. 15 Minuten täglich.
Sorge dafür, dass alle Materialien (z. B. Laptop, Notizbuch, Schreibtool) leicht zugänglich sind.
Schaffe eine ruhige Umgebung, in der du dich konzentrieren kannst.
SMART=Klare Zielsetzung
Das klassische SMART-Modell bleibt der Kern von GO SMART ME. Jedes Ziel sollte:
Spezifisch sein: Dein Ziel sollte klar und eindeutig formuliert sein.
Beispiel: „Ich möchte täglich mit dem Unplugged Me Schreibtool zwei Reflexionsfragen beantworten.“
Messbar sein: Dein Fortschritt sollte überprüfbar sein.
Beispiel: „Ich werde mindestens 200 Wörter pro Sitzung schreiben.“
Attraktiv sein: Dein Ziel sollte motivierend sein.
Beispiel: „Das Schreiben hilft mir, Klarheit über meine Gefühle zu gewinnen.“
Relevant sein: Dein Ziel sollte bedeutend für dich sein.
Beispiel: „Das Ziel hilft mir, meine emotionale Stabilität zu verbessern.“
Terminiert sein: Dein Ziel sollte einen klaren Zeitrahmen haben.
Beispiel: „Ich werde dies für die nächsten 14 Tage umsetzen.“
M=Maßnahmen
Dieser Schritt fokussiert sich auf konkrete Handlungen, die dich deinem Ziel näherbringen. Es geht darum, ins Handeln zu kommen und die nötigen Schritte zu definieren.
Frage: Welche spezifischen Schritte musst du unternehmen, um dein Ziel zu erreichen?
Beispiele:
Öffne jeden Morgen dein Schreibtool und logge dich ein.
Beantworte gezielt zwei Reflexionsfragen.
Reflektiere nach dem Schreiben kurz: „Was habe ich heute über mich gelernt?“
E=Erfolgsfeier
Dieser Schritt belohnt dich für deine Disziplin und deinen Fortschritt. Die Erfolgsfeier ist ein motivierender Abschluss, der deinen Erfolg positiv verankert und Lust auf weitere Ziele macht.
Frage: Wie möchtest du deinen Erfolg feiern?
Beispiele:
Gönn dir nach 14 Tagen eine kreative Belohnung, wie ein neues Notizbuch oder ein inspirierendes Buch.
Schreibe eine Reflexion über deine Fortschritte und teile sie mit jemandem, der dich unterstützt.
Plane eine Aktivität, die dich erfreut, wie ein Spaziergang, ein Kinobesuch oder eine kleine Feier mit Freunden.